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Makrotrends · 2. Oktober 2026

Bitkom-Studie: Die Mehrheit nutzt KI, das Potenzial bleibt offen

Am 14. September hat Bitkom neue Zahlen zur KI-Nutzung vorgelegt. Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI. Bemerkenswert ist, was hinter der Zahl steht.
Instabiler Turm aus matten Formen in Weiß, Salbei und Gelb, der sich zu einem ausbalancierten Aufbau neu ordnet

Makrotrends 3 Min. Lesezeit Von Alexander Otto

StrategieStudieBitkomKi nutzung

Der Digitalverband Bitkom hat am 14. September 2026 eine Studie zur KI-Nutzung in Unternehmen veröffentlicht. Nach Medienberichten wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. Das Kernergebnis: 57 Prozent der Unternehmen setzen KI ein, vor einem Jahr waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren ihn.

Nutzung ist nicht Nutzen

Die Zahl der Anwender wächst schnell, die Tiefe der Nutzung nicht im gleichen Tempo. Nach Bitkom schöpft kein Unternehmen das Potenzial der Technologie voll aus. Nur 3 Prozent der Anwender bewerten ihre Nutzung als eher stark. Zugleich berichten zwei Drittel der Anwender von einer besseren Wettbewerbsposition, 48 Prozent von schnelleren internen Abläufen und 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Geschäft.

Die Sorge vor dem Zurückfallen

91 Prozent der Befragten halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie. 34 Prozent sehen sie als Bedrohung für die Existenz des eigenen Unternehmens. Ein Drittel der Anwender gibt an, KI vor allem aus Sorge eingeführt zu haben, sonst den Anschluss zu verlieren. Eine Einführung aus Angst führt selten zu klaren Zielen. Das passt zum Befund, dass die Tiefe der Nutzung begrenzt bleibt.

Wo es hakt

Unternehmen, die KI noch nicht einsetzen, nennen am häufigsten fehlendes technisches Know-how, 85 Prozent von ihnen. Bei den Anwendern stehen Datenschutzanforderungen mit 66 Prozent und rechtliche Unsicherheit mit 56 Prozent im Vordergrund. Beim Thema Arbeitsplätze erwarten 9 Prozent der KI-Anwender erhebliche Stellenverluste, bei den Nichtanwendern sind es 15 Prozent. Wer Erfahrung gesammelt hat, ist offenbar gelassener.

Kritik am AI Act

66 Prozent der Befragten meinen, der AI Act benachteilige deutsche Unternehmen, und 89 Prozent erwarten hohe Umsetzungskosten. Die jüngste Änderung durch den Digital Omnibus hat Fristen für Hochrisiko-Systeme verschoben. Wir beschreiben sie in einem eigenen Beitrag.

Was Mittelständler daraus ableiten können

  • Der Vorsprung entsteht nicht durch den Start, sondern durch Tiefe: Wenige Anwendungen, die im Alltag gebraucht und gemessen werden, sind mehr wert als viele Pilotversuche.
  • Know-how ist der meistgenannte Engpass bei Nichtanwendern. Praktische Schulung am eigenen Vorgang schließt diese Lücke schneller als eine allgemeine Einführung.
  • Datenschutz und Rechtsfragen bremsen Anwender. Klare interne Regeln und ein bekannter Ansprechpartner nehmen vielen Vorhaben die Unsicherheit.
  • Führen Sie KI mit einem benannten Ziel ein. Aus Sorge allein entstehen selten tragfähige Anwendungen.

Eine Einschränkung bleibt: Die Studie bildet Unternehmen ab 20 Beschäftigten ab und beruht auf Selbstauskünften. Was ein Unternehmen als Nutzung bezeichnet, reicht vom gelegentlichen Chatfenster bis zum integrierten Prozess. Prüfen Sie deshalb für sich, wo Sie stehen, und vergleichen Sie sich nicht mit einer Prozentzahl.

Zur Abgrenzung: Im März hatte Bitkom in der Befragung „Digitalisierung der Wirtschaft“ 41 Prozent Nutzung ermittelt (unser Beitrag vom März). Die Studie vom 14. September ist eine eigene KI-Erhebung, deren Werte (57 Prozent, im Vorjahr 36 Prozent) sich nicht mit der März-Zahl vergleichen lassen. Wie sich Quoten verschiedener Erhebungen lesen lassen, zeigt dieser Überblick.

Quellen

Vom Start zur Tiefe der Nutzung

Wir bestimmen mit Ihnen, an welchen Stellen KI in Ihrem Unternehmen wirklich Wirkung entfaltet.